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Pädagogik-Newsletter Juli 2020

Schön, dass Sie in meinen Newsletter schauen! Heute zu dem Thema: 

Lesefreude bei Kindern fördern

Wenn Sie diese Überschrift lesen und nur müde lächeln können, weil Ihr Kind die Leseratte schlechthin ist, dann lassen Sie sich gesagt sein: Andere Eltern beneiden Sie mit absoluter Sicherheit darum.

Dass Bücher bei Kindern teilweise leicht in den Hintergrund rücken, ist nicht weiter verwunderlich, gibt es doch so viele andere Dinge, die auf den ersten Blick „spannender“ wirken – und vor allem, gerade am Anfang, leichter zu konsumieren sind. Das Hörspiel erzählt ganz von selbst etwas, da muss man nur zuhören. Das neue Spiel auf dem Handy oder der Konsole erklärt auch, was zu tun ist und ist außerdem bestimmt eh viel spannender als dieses Buch… Von Filmen mal ganz abgesehen. Das Spektrum an digitalen Medien weitet sich immer mehr aus und erscheint gerade für Kinder sehr verlockend, weil: bunt, laut, einfach zu nutzen, ohne groß nachzudenken.

Ein Kind, das noch Leseanfänger ist, hat natürlich viel größere Mühen dabei, ein Buch allein zu lesen und zu verstehen. Schwierige Wörter, unbekannte Wörter, man darf nicht in der Zeile verrutschen und zu guter Letzt sollte das Gelesene ja auch irgendwie verstanden werden. Klingt anstrengend – ist es anfangs auch. Klar, dass die Motivation der Kinder, von selbst zum Buch zu greifen, nicht immer so ausgeprägt ist, wie wir es uns vielleicht wünschen würden. 

Wir möchten natürlich, dass unsere Kinder lesen. Lesen ist doch sooo schön – das finden und wissen wir (obwohl das natürlich auch bei weitem nicht für alle Erwachsenen gilt). Wir sehen das so, weil wir irgendwann richtig lesen lernen mussten und dann irgendwann gemerkt haben, dass man mit dieser Fähigkeit ja ganz neue Welten erschließen kann.

Viele Eltern fragen sich, was sie tun können, um ihren Kindern begreiflich zu machen, dass Lesen eine tolle Sache ist. Zwang ist nicht das Mittel der Wahl, so viel steht fest. Und kennen Sie nicht auch noch die Situation, in der Ihr Kind das erste Mal aus der Schule kam und nölte, weil im Unterricht jetzt ein Buch gelesen wird? „Soo langweilig! Und jetzt muss ich sogar was davon zuhause lesen und dabei ist das Buch voll blöd.“

Ich kann Ihnen leider nicht versprechen, dass Sie mit den folgenden zehn Tipps es schaffen werden, aus Ihrem Lesemuffel eine Leseratte zu zaubern, jedes Kind ist anders und wir sollte nie vergessen, dass auch die Sozialisation eine große Rolle spielt. Welche Rolle spielen Büchern in Ihrem Alltag? Sieht das Kind Sie regelmäßig mit Büchern, Zeitungen, Zeitschriften? Ist Ihr Kind von klein an mit Bilderbüchern aufgewachsen? Wie stehen Sie selbst zu Büchern? Lesen Sie gern oder bevorzugen Sie beispielsweise eher Hörbücher?

Ihr Kind schaut sich von Beginn an eine Menge von Ihnen ab. Es ist leichter, am Modell zu lernen, also durch Nachahmung – das bezieht sich auch auf Einstellungen zu verschiedensten Dingen. Wenn Sie Ihrem Kind durch Äußerungen oder auch Handlungen eher das Gefühl vermittelt haben, dass Bücher keine besonders große Rolle spielen, ist es nicht verwunderlich, wenn Ihr Kind diese Meinung vorerst adaptiert. Und natürlich sollen Sie sich auch nicht verstellen und zu Ihrem Kind sagen: „Lesen ist so toll!“, wenn Sie – übertrieben gesagt – kein einziges Buch in der Wohnung haben und sich das offensichtlich widerspricht.

Dennoch kommen hier zehn Tipps, die Ihnen helfen können, die Lesefreude Ihres Kindes zu wecken:

1.    Zelebrieren Sie selbst das Lesen

Das spielt genau auf das an, was ich gerade sagte. Lesen Sie, wenn möglich, selbst. Wünschen Sie sich zum Geburtstag, zu Weihnachten etc. mal ein Buch. Wenn Ihr Kind Sie mehrfach lesen sieht und merkt, dass ein Buch vermutlich so schön sein kann, dass man es sich sogar zu seinem Geburtstag wünscht, macht es das bestenfalls neugierig: „Vielleicht sollte ich das auch mal probieren…“

2.    Stöbern Sie gemeinsam und schauen Sie, was interessant ist

Schnappen Sie sich Ihr Kind und gehen in die Bibliothek oder einen Bücherladen. Und dann schauen Sie gemeinsam, welche Bücher Ihr Kind interessant finden könnte. Ein guter Einsteig dafür können auch Bücher zu bestimmten Serien sein – da sind dann meist auch spannende Bilder drin, die das Interesse zusätzlich befeuern können.

3.    Die richtige Technik macht’s

Ist Ihr Kind noch Leseanfänger und sehr langsam beim Lesen, dann achten Sie darauf, dass beim Lesen stets der Finger unter das zu lesende Wort gelegt wird – dadurch wird die Augenbewegung gelenkt und die Wahrscheinlichkeit, in der Zeile zu verrutschen, nimmt ab. So macht es gleich viel mehr Spaß.

4.    Aufhören, wenn es am spannendsten ist

Profitrick: Hören Sie beim Vorlesen an einer spannenden Stelle auf und lassen Sie das Buch in der Nähe des Kindes liegen. Wenn es spannend genug ist, haben Sie eine Chance, dass Ihr Kind selbst zum Buch greift.

5.    Personalisierte Bücher

Mittlerweile gibt es eine Reihe personalisierbarer Bücher für Kinder, die den Namen vom Kind und die der besten Freunde oder der Familie in die Geschichte einbeziehen. Als Protagonist der Geschichte hat man als Leser vielleicht mehr Lust, herauszufinden, wie es weitergeht und was alles auf den Seiten geschieht.

6. Interaktive Bücher und Graphic Novels

Vielen Kindern bereitet es Freude, die Handlung selbst zu bestimmen. Auch hier gibt es viele Bücher, bei denen sich der Leser immer wieder entscheiden darf, wie es weitergehen soll und zu der entsprechenden Seite weiter blättert.

Auch Bücher mit vielen Bildern, sogenannte „Graphic Novels“ wie z.B. Comics sind ein guter Anfang. Wenn der Einstieg in die Welt der Bücher anfangs über eine Vielzahl von Bildern kommt, dann bitte. Zudem ist die Vorliebe für Comics keineswegs als schlecht zu bewerten, hier werden vielleicht weniger lange und komplexe Sätze gelesen, dafür ist es für den jungen Leser viel schwieriger, die Reihenfolge der Bilder und Texte zu beachten als bei einem herkömmlichen Buchformat.

7. Trick 17

„Kannst du lesen, was da steht? Ich erkenne es von hier nicht…“ Kann Ihr Kind Ihnen helfen, Sachen zu entziffern und zu lesen, schafft das Erfolgserlebnisse und ein positives Grundverständnis zum Lesen allgemein verfestigt sich.

8. Kleine Nachrichten hinterlassen

Eine kleine Nachricht in der Brotbox, der Federtasche oder am Kühlschrank nach der Schule sorgen ebenfalls dafür, dass Ihr Kind sich bemühen wird, die Nachricht zu entziffern. Und das Bewusstsein, in der Lage zu sein, Nachrichten zu entschlüsseln, motiviert Kinder ungemein.

9. Für eine gute Atmosphäre sorgen

Schlagen Sie Ihrem Kind doch mal vor, gemeinsam eine Leseecke einzurichten, vielleicht im Kinderzimmer. Ein kleines Zelt oder ein Baldachin, ergänzt mit kuscheligen Decken, Kissen oder einem Kuschelfell zaubert im Nu eine schöne Atmosphäre, um ausgiebig zu lesen. Vielleicht kann hier sogar mal eine Lesenacht abgehalten werden.

10. Lesen ist keine „Mädchensache“

Leider hält sich bei einigen Jungs der Gedanke, nur Mädchen würden lesen. Sollten Sie diese Einstellung bei Ihrem Sohn feststellen, hilft es oftmals, wenn der Vater dem Sohn regelmäßig vorliest. Denn das widerlegt die Aussage grundlegend.

Übrigens:

Sollte Ihnen als pädagogische Fachkraft in Ihrer Gruppe/Klasse auffallen, dass Lesen nicht wirklich „angesagt“ ist, sind Eltern erfahrungsgemäß sehr dankbar, wenn man Ihnen einen Themenabend dazu anbietet. Zudem wäre es eine Möglichkeit, im Hort oder auch in der Kita bei den größeren Kindern einen Tag einzulegen, an dem jedes Kind ein Buch von zuhause mitbringt und den anderen Kindern vorstellt. Selbst die Kinder, die wenig Interesse an Büchern haben, können dadurch neugierig gemacht werden.

Wenn ich Ihnen damit einige Punkte nennen konnte, über die es sich nachzudenken lohnt, dann freut mich das sehr!

Als gelernte Erzieherin und Dozentin für den Bereich Pädagogik und Familie in der Paul & Paula Akademie bin ich immer auf der Suche nach aktuellen Themen aus dem Bereich, die für Eltern und pädagogische Fachkräfte interessant sein könnten. Wenn Ihnen ein Thema einfällt, zu dem Sie gerne etwas lesen wollen würden, schreiben Sie mir gerne!

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