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Pädagogik-Newsletter Juni 2020

Schön, dass Sie in meinen Newsletter schauen! Heute zu dem Thema: 

Rollenklischees bei Kindern

Kennen Sie das auch von (Ihren) Kindern, Aussagen wie: „Männer weinen nicht!“ Oder „Das ist doch Mädchenkram…!“? Tatsächlich ist es doch so, dass wir selbst genaue Vorstellungen davon haben, was „typisch Mädchen“ und „typisch Junge“ ist. Klar, wir wissen auch, dass sich Jungen und Mädchen frei ausleben sollen, ohne in Rollenclustern „gefangen“ zu sein, aber dennoch lässt sich immer wieder feststellen, dass Kinder sich gewissen Rollenzuschreibungen entsprechend verhalten. 

Währen Paulina „Mutter, Vater, Kind“ spielt, schraubt Ole an der Werkbank an seinem Spielzeugauto herum. Zumindest nehmen wir das vermehrt so wahr – und da geht es eigentlich schon los. Denn JA, auch in unseren Köpfen sind sie, die klassischen Rollenvorstellungen – und das hat zweifellos auch seinen Sinn, irgendwo. Denn indem wir alle möglichen Dinge clustern, in „Schubladen“ einteilen und sortieren, nehmen wir unserem Kopf viel Arbeit ab – ohnehin muss der schon zig Eindrücke über den Tag verteilt managen und verarbeiten. Eine klare Einteilung in „so sind Mädchen“ und „so sind Jungen“ hilft da ungemein, weniger nachdenken zu müssen. 

Es beginnt schon damit, wie wir Kinderzimmer typischerweise einrichten, wenn wir erfahren, ob ein Mädchen oder ein Junge erwartet wird. Je nach Geschlecht schenkt man dann auch Strampler und Glückwunschkarten in rosa oder hellblau… 

Kurz gesagt: Es ist kein Wunder, dass Kinder das früh übernehmen und sich daran orientieren. Und oftmals ist daran nicht viel auszusetzen, Hannah könnte ja immerhin auch mit der Werkbank spielen, wenn sie möchte, die ist ja immerhin für alle da und frei zugänglich. Brenzlig wird es aber, wenn Hannah das wirklich macht und Germain sagt: „Geh weg, Hannah, du bist ein Mädchen!“ Sowas kommt im Kindergarten glücklicherweise nicht allzu oft vor, aber dennoch steigt die Häufigkeit solcher Vorkommnisse mit dem ansteigenden Alter der Kinder. 

Wieso das so ist?

Ganz einfach. Kinder werden von ihrer Umwelt sozialisiert – und auch wenn die Eltern die erste Sozialisationsinstanz bilden, so gibt es doch viele weitere Personen, die Einfluss auf das Kind haben. Spätestens, wenn es mit anderen Kindern kommuniziert, treffen sozialisationsbedingte Ansichten der anderen Kinder auf die des eigenen Kindes. Hat Ronja stets vermittelt bekommen, Jungs seien keine richtigen Jungs, wenn sie mit Puppen spielen, wird sie das in ihrem Alltag vorerst genauso ausleben und kommunizieren. 

Was können Sie dann tun?

Wieder einmal heißt die Lösung: Reden. Es klingt genauso simpel, wie es auch ist – reden Sie mit Ihrem Kind/den Kindern! In einer Gruppe oder Klasse lässt sich zu der Thematik prima ein Projekt durchführen, in welchem genau geschaut wird, wer welche Vorlieben hat – mit dem Ergebnis, dass die Kinder erkennen, dass jeder ganz unterschiedlich ist und es auch oftmals vorkommt, dass sich Interessen, die sonst nur typischerweise Jungen oder Mädchen zugeschrieben werden, auch bei dem jeweils nicht erwarteten Geschlecht wiederfinden.  

Als Eltern können Sie das Gespräch mit Ihrem Kind direkt suchen. Fragen Sie nach seinen Erfahrungen, seinen Interessen (auch wenn Sie diese höchstwahrscheinlich eh schon kennen) und danach, wie die anderen Kinder darauf reagieren, was sie für Interessen haben etc. Reden Sie auch gerne von sich und dem anderen Elternteil, zeigen Sie auf, dass man seine Interessen und Hobbys nicht danach auswählen sollte, ob es vorwiegend Mädchen oder Jungen ausführen, sondern es darum geht, was einem selbst Spaß macht. Dass es „typisch Junge“ und „typisch Mädchen“ so eigentlich gar nicht gibt, dass Sie als Vater zum Beispiel mal genauso traurig sein können und weinen, wie es die Mama auch macht. Dass Sie als Vater die Farbe Rosa auch schön finden können und es kein Problem darstellt, Spielzeug oder Kleidung in der Farbe als Junge zu besitzen. 

Von Bedeutung ist vor allem, was Eltern Ihren Kindern diesbezüglich vermitteln. Als pädagogische Fachkraft haben Sie niemals den Einfluss, den Eltern haben, können aber dennoch dazu beitragen, eine andere Sichtweise zu offenbaren und die Klasse/Gruppe als Gemeinschaft in Toleranz und Offenheit zu schulen. 

Wenn ich Ihnen damit einige Punkte nennen konnte, über die es sich nachzudenken lohnt, dann freut mich das sehr!

Übrigens: Mehr zu dem Thema Grundschulkinder erfahren Sie in meinem Seminar „Grundschule – Fordern und Fördern, auch außerhalb des Unterrichts“. Schaue Sie doch mal rein!

Als gelernte Erzieherin und Dozentin für den Bereich Pädagogik und Familie in der Paul & Paula Akademie bin ich immer auf der Suche nach aktuellen Themen aus dem Bereich, die für Eltern und pädagogische Fachkräfte interessant sein könnten. Wenn Ihnen ein Thema einfällt, zu dem Sie gerne etwas lesen wollen würden, schreiben Sie mir gerne!

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