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Pädagogik-Newsletter März 2020

Schön, dass Sie in meinen Newsletter schauen! Heute zu dem Thema: 

Was tun, wenn mein jugendliches Kind nicht mehr mit mir redet?

Wenn Sie zuhause eine/n Jugendliche/n haben, dann kommt Ihnen vielleicht folgende Situation bekannt vor: Sie haben endlich mal eine Stunde Zeit für Ihr Kind, um sich so richtig ausgiebig mit ihm zu unterhalten, all die Dinge zu besprechen, zu denen sonst immer nur zwischen Tür und Angel Zeit war. Sie lächeln Ihr Kind an und fangen erwartungsvoll an: „Na? Wie war dein Tag?“ „Gut.“ Gut, das ist vielleicht nicht die Antwort, an die Sie gedacht haben, aber was soll´s. Sie probieren es weiter: „Das freut mich! Wie geht es… (einem Freund oder einer Freundin des Kindes)?“ „Auch gut…“ „Ist alles okay bei dir?“ Jetzt, mit leicht genervtem Unterton, kommt die Antwort: „Ja, passt schon. Ich bin dann in meinem Zimmer!“ Zack. Und da stehen Sie und fragen sich, seit wann genau Ihr Kind nicht mehr mit Ihnen reden will. Seit wann es ihm kein Bedürfnis mehr zu sein scheint, sich Ihnen mitzuteilen. Mal ganz abgesehen davon, dass man Sie schon gar nicht erst fragt, wie vielleicht Ihr Tag war. Also: Was tun Sie jetzt? 

Hilfe, mein Kind will nicht mehr mit mir reden. 

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Jugendliche während der Pubertät ihren Eltern gegenüber zurückziehen. Sie sind so mit sich beschäftigt, dass gar keine Kapazität mehr vorhanden ist, um sich auf tiefgreifende Gespräche im Alltag einzulassen, noch dazu mit den Eltern. 

Der Fehler vieler Eltern besteht darin, das persönlich zu nehmen. 

„Wenn er/sie mehr Taschengeld möchte, dann bin ich auf einmal wieder gut genug!“ Kommt Ihnen das bekannt vor? Was also geht in dem Kopf Ihres Kindes vor? Sind es Desinteresse, Abneigung oder Verachtung, die zu dem Verhalten führen? 

Tatsächlich ist es höchstwahrscheinlich nichts davon. Eltern spielen für Jugendliche eine wichtige Rolle, auch wenn sie das nie zugeben würden vor anderen. Sie als Eltern hatten viele Jahre Zeit, um eine sehr enge Bindung zu Ihrem Kind aufzubauen und es maßgeblich zu prägen. Sie haben noch immer großen Einfluss auf Ihr Kind – nachweislich sind die Eltern Ansprechpartner Nr. 1, wenn es darum geht, die berufliche Zukunft oder gesellschaftliche und grundlegende Dinge wie Wertvorstellungen zu diskutieren oder zu besprechen. Viele Bereiche, die Sie die Jahre zuvor zusätzlich mit Ihrem Wissen abdeckten, werden jetzt von der Peergroup der Jugendlichen übernommen – und das ist völlig in Ordnung und sogar unabdingbar für die Entwicklung des Jugendlichen und die Bewältigung einiger spezieller Entwicklungsaufgaben, denen Jugendliche ausgesetzt sind. 

Jetzt aber zurück zu der Situation. Sie fühlen sich hilflos, traurig, nicht mehr gebraucht? Gut, wenn Sie das so genau benennen können! Die Eltern zu verletzen, das tun die wenigsten Teenager bewusst, wenn sich nicht gerade eine riesige Eskalation innerhalb der Familie anbahnt. 

Die Lösung heißt: Sagen Sie es ihm/ihr! Tatsächlich denken wir fast nie darüber nach, wie in die Enge treibend es manchmal vielleicht wirken kann, wenn man mit einer Frage nach der anderen konfrontiert wird. Das kann leicht Stress auslösen und den Drang, das Weite zu suchen. Besser: Reden Sie von sich! Auch über Ihre Gefühle. Wichtig: Ohne dabei eine indirekte Schuldzuweisung zu tätigen („Vorhin warst du so kurz angebunden und jetzt fühle ich mich miserabel“). 

Während der Pubertät ändert sich das Verhältnis von Ihnen zu Ihrem Kind und ebenso der Umgang miteinander. Am Ende der Pubertät kann es nur das Ziel sein, sich auf Augenhöhe zu begegnen – und das entwickelt sich langsam. Wenn Ihr Kind also gerade nicht mit Ihnen reden will, dann erzählen Sie halt! Erzählen Sie von Ihrem Tag, von dem, was Sie gerade bewegt, wie Sich sich fühlen etc. Das symbolisiert dem Teenager gleichzeitig, dass Sie die Nähe schätzen, auch wenn vielleicht vor allem Sie reden. Es zeigt außerdem die Änderung des Umgangs miteinander. Der/die Jugendliche muss sich nicht erklären oder rechtfertigen, Sie erzählen ihm/ihr einfach so etwas, vielleicht sogar, um einfach zu wissen, was er/sie darüber denkt. 

Wenn ich Ihnen damit einige Punkte nennen konnte, über die es sich nachzudenken lohnt, dann freut mich das sehr! 

Mehr zum Thema Pubertät erfahren Sie übrigens in meinem Seminar „Generationskonflikte – Pubertier vs. Vollzeitspießer“. Schauen Sie doch mal rein! 

Als gelernte Erzieherin und Dozentin für den Bereich Pädagogik und Familie in der Paul & Paula Akademie bin ich immer auf der Suche nach aktuellen Themen aus dem Bereich, die für Eltern und pädagogische Fachkräfte interessant sein könnten. Wenn Ihnen ein Thema einfällt, zu dem Sie gerne etwas lesen wollen würden, schreiben Sie mir gerne!

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