Family at home. Little girl playing with a father.

Pädagogik-Newsletter Mai 2020

Schön, dass Sie in meinen Newsletter schauen! Heute zu dem Thema: 

Vater-Tochter-Beziehung

Man sucht sich ein Abbild des Vaters als späteren Partner, heißt es. Tatsächlich lässt sich nicht bestreiten, dass unser Vater unsere spätere Partnerwahl mit beeinflusst – genauso wie Brüder. Der Vater ist der erste Mann im Leben seiner Tochter und hat damit einen unfassbar großen Einfluss. Von Beginn an beobachtet das Kind ganz genau, wie der Vater mit der Mutter umgeht und ebenso, wie er sich ihr gegenüber verhält. Erfährt die Tochter von klein an Respekt und bekommt ein positives Gefühl vermittelt von ihrem Vater, fühlt sie sich zunehmend wohl im „Frausein“, Selbstbewusstsein sowie Selbstakzeptanz werden dadurch enorm gesteigert.

Leider funktioniert das genauso in die entgegengesetzte Richtung. Müssen Töchter stets um die Aufmerksamkeit ihres Vaters kämpfen, findet sich dieses Muster häufig bei zukünftigen Partnern wieder – meist ohne, dass wir es bewusst so wahrnehmen oder gezielt danach suchen.

Was Sie als Vater tun können, um Ihre Vater-Tochter-Beziehung zu stärken:

  1. Behalten Sie positive Gedanken nicht für sich!

Wie oft denken wir nette Sachen, sprechen sie aber einfach nicht aus! Gerade ihrem Vater gegenüber ist es einer Tochter sehr wichtig, einen guten Eindruck zu machen. Kleine spontane Komplimente wie „Hübsches Shirt!“ oder „Ich freue mich, dass du dich so durchgekämpft hast durch die schwere xy-Hausaufgabe“ sind nicht nur authentisch, sondern lösen auch sofort ein positives Gefühl bei dem Gegenüber aus.

2. Ehrliches Interesse zeigen

Ehrliches Interesse ist immer wichtig, egal, um welche Personenkonstellation es sich handelt. Dennoch ist es für Mädchen wichtig zu erfahren, dass sich der Vater für ihre Hobbys interessiert – vor allem dann, wenn es um „klassische“ Freizeitaktivitäten wie Pferdesport oder Tanzunterricht geht. Denn das sendet folgende Botschaft an das Gehirn der Tochter: Auch wenn ich „Mädchen-Sachen“ gerne mache, kann das durchaus interessant für Jungs sein. Ich muss mich dafür keineswegs schämen oder blöde Sprüche akzeptieren.

3. Gemeinsame Aktivitäten 

In vielen Familien ist es noch immer so, dass die Mutter, während die Kinder klein sind, mit den Arbeitsstunden heruntergeht und demnach automatisch mehr Zeit für die Kinder hat. Umso wichtiger ist es, dieses Zeitdefizit als Vater gezielt auszugleichen. Bindung und Beziehung braucht Zeit, gemeinsame Aktivitäten erzeugen geteilte Erinnerungen, die wiederum ungemein zusammenschweißen. 

4. Stärken hervorheben 

Natürlich gibt es auch sensible Jungen, die viel Zuspruch und Unterstützung brauchen, tendenziell sind es aber doch die Mädchen, die besonders kritisch sich gegenüber sind und deren Selbstbewusstsein schnell Schaden nehmen kann. Gerade von dem Vater hat es eine umso größere Wirkung, wenn die Tochter erfährt, dass man an sie glaubt und sie wunderbar so ist, wie sie eben ist. Es ist zudem immer sinnvoll, mit Stärken zu argumentieren, denn dann lässt sich Folgendes vermeiden: „Das sagst du doch bloß, weil du mein Papa bist!“

5. Ein gutes Vorbild sein

Mädchen werden irgendwann die Erfahrung machen, dass nicht alle Jungs und später Männer so toll sind, wie es vielleicht der eigene Papa ist. Aber Sie als Vater können erheblich beeinflussen, mit welchem Bild Ihre Tochter zukünftig Männern gegenüberstehen wird. Immerhin sind Sie als erster Mann im Leben Ihrer Tochter erst einmal „das Maß der Dinge“ – so, wie Sie sich anderen Frauen gegenüber (gerade der Mutter des Kindes gegenüber) verhalten, so findet es Ihre Tochter „normal“ und geht automatisch davon aus, alle anderen Menschen in der Kategorie „Mann“ würden genauso handeln. Sind Sie hingegen so gut wie nie zuhause, zeigen kein Interesse, geben weder Lob noch Zuneigung, dann wird Ihre Tochter mit diesem Bild und dieser Sicht auf alle anderen Männer hinausgehen und es tendenziell sehr schwer haben, das Bild durch ein neues, positiveres zu ersetzen. 

Denken Sie also stets daran: Worte, die gesagt wurden, können nie wieder zurückgenommen werden und Dinge, die versäumt wurden, lassen sich nur bedingt nachholen. Die Beziehung zu Ihnen wird Ihre Tochter im Bezug auf alle weiteren Männer, die sie in ihrem Leben kennenlernen wird, für immer prägen und beeinflussen. Sie sind als Vater ebenfalls erheblich dafür verantwortlich, wie wohl sich Ihre Tochter als „Frau“ fühlt, ob sie sich wohl in ihrer Rolle fühlt, stark, selbstbewusst. 

Wenn ich Ihnen damit einige Punkte nennen konnte, über die es sich nachzudenken lohnt, dann freut mich das sehr! 

Übrigens: Mehr zum Thema Bindung in der Grundschule erfahren Sie in meinem Seminar „Grundschulkinder – Bindung aktiv gestalten“, schauen Sie doch mal rein!

Als gelernte Erzieherin und Dozentin für den Bereich Pädagogik und Familie in der Paul & Paula Akademie bin ich immer auf der Suche nach aktuellen Themen aus dem Bereich, die für Eltern und pädagogische Fachkräfte interessant sein könnten. Wenn Ihnen ein Thema einfällt, zu dem Sie gerne etwas lesen wollen würden, schreiben Sie mir gerne!

Erhalten Sie den aktuellen Newsletter immer gleich als Erste/r!

Jeden Monat am 10. erscheint ein neuer Newsletter – melden Sie sich heute noch an (siehe weiter unten auf der Seite)!

Comments are closed.